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Seit März 2019 hängt das während einer Auktion neu geschaffene Werk »Love is in the Bin« des Streetart Künstlers Banksy in der Stuttgarter Staatsgalerie. Hier wird es in der Sammlung präsentiert und im musealen Kontext diskutiert. Als Dauerleihgabe tritt es nun Schlüsselwerken der Kunstgeschichte von Rembrandt bis Duchamp gegenüber und wirft grundlegende Fragen auf, wie zum Beispiel „Wie wird ein Künstler zur Marke?“, „Warum zerstört ein Künstler sein Werk?“ oder „Werden Objekte durch Aktionen zur Kunst?“

Die Präsentation erregt bundesweit Aufsehen und wird kontrovers diskutiert – nicht nur in den Medien. Mit der »Speakers‘ Corner« und weiteren Veranstaltungen der Kunstvermittlung lädt die Staatsgalerie ihr Publikum zum Austausch über Kunst ein. Mit Erfolg – Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie, stellt fest: „Die Zahl der Sammlungsbesucher hat sich mehr als verdoppelt, seitdem wir das Werk bei uns präsentieren. Schon jetzt zählen wir in der Sammlung mit über 90.000 Besuchern weit mehr als im gesamten Jahr 2018. Das ist ein toller Erfolg und zeigt das überwältigende Interesse des Publikums an Banksy, aber auch an den Fragen rund um die Kunst, die wir hier stellen.“

Mit der aktuellen Hängung werden neue Fragen aufgeworfen:
Was macht ein Bild zu einem Skandal? Wie ist es möglich, dass die ganze Welt über Nacht von einem einzigen Kunstwerk spricht?

Banksy neben Monet in der Staatsgalerie Stuttgart

Banksy hängt in der Staatsgalerie Stuttgart seit Juli 2019 neben Claude Monet, Felder im Frühling, 1887. Bild: Staatsgalerie Stuttgart, (c) Bansky.

Bei der Gegenüberstellung trifft Banksy auf einen wahren Skandal-Künstler der Kunstgeschichte. Er revolutionierte seinerzeit das Malerhandwerk und versetzte die Kunstwelt um 1860 in Entsetzen. 1906 erwirbt auch der Stuttgarter Galerieverein ein impressionistisches Werk des Künstlers. Ein Skandal – die »Felder im Frühling« werden nach dem Ankauf abwertend als »Farbenstudie« bezeichnet und das Bild verschwindet nach heftiger Kritik im Depot. Heute gehört das Gemälde zu den Hauptwerken des Museums.
Auch die Schredder-Aktion, die zu »Love is in the Bin« führte, sorgte für Schock und Empörung. Misst sich die Bedeutung der Werkes vielleicht sogar am Skandal selbst, der Aktion während der Auktion? Ein halbes Jahr später ist sich die Kunstwelt noch nicht darüber einig, welche Rolle Banksys Werk zwischen Rembrandt und Duchamp einnimmt, oder ob es sich im Kanon der Kunstgeschichte etabliert? (Staatsgalerie)