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Wilhelmshaven ist eine Stadt, deren Ausgangssituation nicht gerade von großem touristischem Potential geprägt ist: sie wurde im zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört und die geographische Lage am Jadebusen sorgt statt einer langen Sandbank für einen Streifen aus Rasen und Beton als Hauptbadestrand. Alles, was an Sehenswürdigkeiten, Attraktionen und Aussichtsplätzen vorhanden ist, haben sich die Wilhelmshavener –im Gegensatz zu vielen andern Küstenorten an der Nordsee- hart erarbeitet und aufgebaut. Umso ärgerlicher für die Fremdenverkehrsindustrie, wenn Urlauber und Tagesgäste mit negativen Schlagzeilen vergrault werden, die aus noch unappetitlichern Fakten resultieren. Tatsächlich schwimmt man am Wilhelmshavener Südstrand nach starken Regenfällen unweit der Abwassereinleitung der Stadt im Meer. Ungeklärte Fäkalien, Haushaltsabwässer und Industrieabwässer, darunter auch die eines nahegelegenen Krankenhauses, werden einfach in die Nordsee abgeleitet.

Was an Zustände des südöstlichen Mittelmeers gemahnt, ist im norddeutschen Wilhelmshaven seit über 30 Jahren Realität. Ursache ist das veraltete Kanalsystem der Stadt, das kein Rückhaltebecken besitzt. Werden die Wassermengen aus der Kanalisation zu groß, beispielsweise weil viel Oberflächenwasser in kurzer Zeit, wie bei starkem Regen zusammen kommt, läuft das Abwasser –ohne die dann „überfüllte“ Kläranlage zu passieren, ungefiltert in die See. Wann dies passiert, ist -wie auf der Internetseite des Bürgerportals Wilhelmshaven fotografisch dokumentiert- immer gut an den dann riesigen Möwenschwärmen über dem Einleitungsbereich zu erkennen. Und das alles nur wenige hundert Metern entfernt vom Vorzeige- und Badeareal des Südstrandes.

Über Lösungen denken die verantwortlichen Politiker anscheinend erst nach, seit Medien überregional von diesem zwar ganz legalen aber nicht minder ekligen und umweltschädlichen Prozedere berichten. Nicht zuletzt dürfte die Sanierung der Kläranlage für das notorisch klamme Wilhelmshaven auch eine nicht zu unterschätzende finanzielle Dimension besitzen. Letzenendes wird wohl, wie so oft, der Wilhelmshavener Bürger in Form von Steuern und Abwassergebühren, die Zeche bezahlen. Dass aber überhaupt schnellst möglich etwas passiert, dafür setzt sich eine Gruppe von Einwohnern ein, die unter dem klangvollen Namen „Die kaiserlichen KanalarbeiterInnen“ zusammen gefunden hat.