Mut, Würde, Zielstrebigkeit: Mitten in Sarasota County liegt mit der Gemeinde Newtown ein geschichtsträchtiges Juwel, haben die Vorfahren der Afroamerikaner, die hier leben, doch maßgeblich dazu beigetragen, die Stadt am Meer aufzubauen und zu formen. Der Newtown African American Heritage Trail erzählt nun die Geschichte von unterdrückten Menschen, die nie aufgehört haben, ihrer Vision zu folgen.

Die Ältesten haben gewöhnlich am meisten zu erzählen – kein Wunder, dass eine der betagtesten Gemeinden Sarasotas ein ganzes Projekt mit ihren Geschichten füllen kann. Experten aus Historikern, einem Anthropologen, einem Architekturforscher sowie einem Denkmalpfleger haben sich auf freiwilliger Basis zusammengetan, um die Stadtarchive zu durchforsten und so die Vergangenheit von Newtown, dem „Kulturzentrum des Südostens der Vereinigten Staaten“, erlebbar zu machen. Einwohner teilten Fotografien, Andenken und nicht zuletzt kostbare Erinnerungen mit ihnen, und so kamen insgesamt 400 Dokumente zusammen, die nun als Zeugen der Zeit fungieren.

Ein Bericht, ein Buch, keinerlei Siegel: Das Ergebnis aus gut zwei Jahren Forschung liegt nun in Form eines 365 Seiten langen Reports, der auf www.newtownalive.org gedownloadet werden kann, sowie einer Lektüre vor. Als Teil eines großen, stetig wachsenden historischen Projekts zum Denkmalschutz namens Newtown Alive zeugt der African American Heritage Trail von den Pionieren und Vorreitern in Sachen Bildung, Medizin, Unternehmertum und Bürgerrechten. Eine Trolley Tour nimmt Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die 1914 beginnt und ins Hier und Heute führt, vorbei an Ausstellungen, Kollektionen und einzigartigen Artefakten. Zudem können von Dozenten geführte Kirchenbesuche gebucht werden.

Geschichte trifft Generation Y: Um die Vergangenheit Newtowns mit der Neuzeit zu verknüpfen, wurde eigens für das Projekt die Newtown Alive Smartphone App mit Videos, Fotos, Reportagen und witzigen Fakten rund um die Gemeinde entwickelt und kann bei Google Play sowie im Apple Store gedownloadet werden.

Geschichtlicher Hintergrund: Afroamerikaner ebnen Sarasota
In den frühen 1800er Jahren, damals war Florida noch spanische Kolonie, lebten zahlreiche farbige Menschen in einer Gemeinde namens Sarrazota, bevor diese 1821 zerstört wurde. Deren Einwohner waren schwarze Siedler, ehemalige afrikanische Sklaven sowie Seminolen. Nach dem Bürgerkrieg kamen mehrere afroamerikanische Pioniere in die Gegend und fassten gemeinsam den Entschluss, Sarasota eine Infrastruktur zu geben. So beseitigten sie das Sumpfgebiet, um Baugrund zu schaffen, legten Eisenbahnschwellen, damit die Industrie beliefert werden kann, konstruierten Wohnhäuser, Golfanlagen, Schulen und Kirchen, bauten Zitrusfrüchte und Sellerie an, machten aus Kiefernharz Terpentin, bauten Brücken, welche das Festland mit den vorgelagerten Inseln Siesta und Lido verbanden, pflegten die Kranken, arbeiteten als Hausangestellte und übernahmen tragende Rollen im Bürgerrechtsaktivismus und in der lokalen Politik.

Doch ungeachtet ihres Beitrags zu Wachstum und Nachhaltigkeit der Stadt trennten die Jim-Crow-Gesetze die afrikanischen von den amerikanischen Einwohnern. Lebten sie bislang in Overtown nahe der Innenstadt wurden sie nun gezwungen, in einen abgegrenzten Bereich zu ziehen – die Geburtsstunde von Newtown. Die Trennung schaffte gleichzeitig den Nährboden für Rassismus und niedere Jobs, doch eines ließen sich die Afroamerikaner nicht nehmen: ihren unbeugsamen Zusammenhalt. So unterrichteten sie Kinder, bauten ihre eigenen Geschäfte sowie Kirchen und organisierten soziale Familienaktivitäten als Kern ihres Glaubens.

Heute haben es sich Sarasotas Gemeindeführer zur Aufgabe gemacht, diese reiche und farbenfrohe Geschichte von Newtown zu dokumentieren, zu erhalten und zu teilen – mit dem Newtown African American Heritage Trail.