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Er habe sich persönlich nichts vorzuwerfen, sei mit sich selbst im Reinen, nun gelte es jedoch zuallererst, die zerstörerischen Debatten für die Bahn zu beenden, so Hartmut Mehdorn in seiner Rücktrittserklärung am gestrigen Montag. Nach zehn Jahren als Chef der Deutschen Bahn endet mit dem Weggang Mehdorns, der am Ende nun doch über die Datenaffaire stolperte, eine Ära im größten deutschen Transportunternehmen. Der raubeinige Manager, der von den Medien auch gerne mit einem absolutistischen Herrscher verglichen wurde, stand mehr als einmal stark in der Kritik, spaltete die Geister von Politik, Bevölkerung und Journalisten gleichermaßen. Doch mit dem endgültigen „Aus“ für Mehdorn bei der Bahn, sind seine schärfsten Kritiker seltsam ruhig geworden: statt jubilieren hört man überall milde Töne und Lobgesänge auf die Leistungen Mehdorns.

Der Zeitpunkt des Abgangs war freilich gut gewählt, auch wenn Hartmut Mehdorn sich bis zum Schluss und mit aller Macht an seine Position klammerte. Doch die fehlende Rückendeckung im Zuge des Datenskandals, bei dem es um die Überwachung von E-Mails von über 80 000 Mitarbeitern ging, ließ dem Bahnchef keine andere Wahl, zumal es ihm zum Schluss auch an Unterstützung aus dem Kanzleramt mangelte. So präsentierte Mehdorn am gestrigen Montag zunächst die Bilanz der Bahn für das Jahr 2008 und die kann sich in der Tat sehen lassen. Trotz Wirtschaftskrise stehe das Unternehmen solide da, der Personenverkehr fange die Einbrüche im Güterbereich ab, so dass es zwar Kurzarbeit aber vorerst keine Entlassungen gebe. Kurze Zeit später gab Mehdorn dann seinen Rücktritt bekannt.

Im Angesicht der guten Zahlen stellen sich die „Nachrufe“ auf Mehdorns Amtszeit aus Politik und Medien als reine Würdigungen seiner Verdienste dar. Vergessen scheinen Diskussionen und Kritik an Servicepauschale, maroden Gleisbetten und Brücken, Sicherheitsrisiken beim ICE und ständigen Preiserhöhungen. War der steinige Weg Mehdorns zur Privatisierung gestern noch Gegenstand der Unkenrufe, wird heute die, zugegebener Maßen, geglückte Konsolidierung der Bahn gerühmt. Auf der Strecke bleibt dabei allerdings das „Wie“: oftmals polternd und kompromisslos mit wenig Verständnis für die Gegenseite boxte Mehdorn seine Interessen durch und stiegt damit Vertretern von Gemeinden, Parteien, Fahrgast- und Arbeitnehmerverbänden mehr als einmal auf die Füße. Diplomatie war definitiv nicht die Stärke eines Hartmut Mehdorns.

Zum Abschluss seiner Karriere fand der scheidende Bahnchef in seiner Rücktrittsrede schließlich doch noch die Einsicht zur Selbstreflexion, auch wenn er bis zum Schluss verneinte, etwas von der großflächigen Überwachung des E-Mail-Verkehrs erfahren zu haben. „Selbstverständlich trage ich als Vorstandsvorsitzender die Gesamtverantwortung für das, was in der Deutschen Bahn passiert oder eben nicht geschieht. Und zwar unabhängig davon, ob ich es gewusst habe oder nicht.“ Wohl gesprochen Herr Mehdorn.