Service-Hotline

Ryanair, eine der größten Billigairlines in Europa, will ab sofort seine Tickets nur noch über ihre eigene Webseite und die eigenen Call Center verkaufen. Nachdem diverse Reiseportale vor etwa einem halben Jahr von Ryanair schon darüber informiert wurden, dass sie angeblich unzulässigerweise die Flugscheine des Billigfliegers auf ihren Seiten angeboten hatten und bei weiteren Zuwiderhandlungen Abmahnungen in Kauf genommen hätten, ist dieses nun der weitere konsequente Schritt von Ryanair, den Fremdvertrieb seiner Tickets vollkommen auszuschließen. Seit ein paar Tagen können daher Ryanair-Tickets nur noch auf der Ryanair Webseite gebucht werden.

Die Airline begründet ihren Schritt damit, dass externe Reiseportale angeblich die günstigen Tickets von Ryanair mit extra Gebühren verteuert hätten und die Kunden bei Buchung über die externen Portale dadurch nicht in den Genuß des wirklich günstigsten Tarifs gekommen wären. Gleichzeitig seien über die externen Portale zu viele automatische Preis- und Verbindungsanfragen auf den Servern der Airlines gelandet, wodurch die Webseite von Ryanair teilweise lahm gelegt worden sei. Über die offiziell genannten Gründe kann man sicher geteilter Meinung sein.

Fakt ist, dass der Anteil von Ryanair-Buchungen über externe Reiseportale sowieso schon äußerst gering im Vergleich zum Gesamtaufkommen gewesen ist. Der Verlust der Buchungen über externe Wege dürfte daher weder Ryanair noch die Portale sonderlich schmerzen. Die gesamte Aktion kommt daher eher schon einem größeren PR-Gag nahe, da sich Ryanair mit dieser Maßnahme massiv in sämtlichen Medien wiederfindet. Andere Airlines, die auch jetzt schon einen höheren Anteil an Buchungen über externe Wege haben, werden sich diesem Weg wohl kaum anschließen.

Andersherum könnte man allerdings durchaus auch die Frage stellen, warum es Ryanair im Gegensatz zu manch anderer Airline (auch von der Billigfront) denn bisher nicht geschafft hat, einen nennenswerten Fremdvertrieb aufzubauen. Vielleicht liegt eine Erklärung in den oftmals doch nicht ganz so günstigen Preisen, was vor allem dann offensichtlich wird, wenn sich die Ryanair-Preise bei den unabhängigen Portalen direkt mit denen der Mitbewerber vergleichen lassen (von den vielen versteckten Gebühren bei Ryanair speziell oder den Billigairlines allgemein einmal ganz abgesehen).

Kreative Ansätze zur Steigerung des Umsatzes werden daher auch bei Ryanair mehr als nötig sein. Die Airlines soll in diesem Jahr vor einem zweistelligen Verlust stehen, will aber nach den Vorstellungen von Ryanair-Chef O’Leary demnächst die Preise senken und bis zum Jahr 2012 den Gewinn auf bis zu 900 Millionen Euro steigern. Ob das allein mit Preissenkungen oder einer Verdoppelung der Flugzeugflotte gehen wird, bleibt abzuwarten. Den externen Vertrieb, der ihr bei vernünftiger Unterstützung dabei vielleicht hätte helfen können, hat sie auf jeden Fall erst einmal verprellt.