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Die Reisebranche steht vor einer Revolution: Jahrzehntelang konnten sich sich die Verbraucher darauf verlassen, dass der zu einer Reise im Katalog ausgelobte Preis auch tatsächlich der war, zu dem man die Reise auch buchen konnte (es sei denn, aufgrund eines Last Minute Angebots war die Reise vielleicht sogar noch günstiger als im Katalog). Die Reiseveranstalter mußten sich an ihr im Katalog gegebenes Preisversprechen halten und durften diese nach Erscheinen des Katalogs nicht erhöhen. Die Verbraucher hatten eine verläßliche Kalkulationsbasis. Damit soll es ab dem nächsten Jahr nun vorbei sein, denn die sogenannte Katalogpreisbindung soll per Gesetz aufgehoben werden.

Führende Vertreter der deutschen Tourismusbranche erwarteten auf der Jahrestagung des Deutschen Reiseverbandes im türkischen Belek eine entsprechende Gesetzesänderung im nächsten Jahr. Insbesondere die großen Reiseveranstalter, die ganz besonders in dem Korsett der Katalogpreisbindung stecken, drängen auf eine zeitnahe Abschaffung dieser Regel. Sollte die Preisbindung der Reisekatalogpreise tatsächlich kippen, müßten die Veranstalter sich nicht mehr an die einmal genannten Preise halten, sondern könnten diese täglich ändern. Jeder ausgewiesene Preis würde nur noch als unverbindlicher Richtpreis gelten.

Naturgemäß wird diese (erwartete) Gesetzesänderung unterschiedlich bewertet. Die großen Reiseveranstalter sehnen diese Änderung herbei, da sie sich sowieso schon im Nachteil zu den sogenannten „virtuellen“ Veranstaltern sehen, die gar keinen Katalog haben und ihre Angebote mit tagesaktuellen Preisen zusammenstellen. Jetzt könnten auch die klassischen Veranstalter flexibel mit ihren Preisen auf Angebot und Nachfrage reagieren und müssen sich nicht mehr an den ursprünglichen Katalogpreis halten. Verbraucherschützer lehnen eine Aufhebung der Preisbindung dagegen ab, da sie dann eine mangelnde Transparenz bei den Reisepreisen befürchten und Preisvergleiche schwieriger würden.

Welche Konsequenzen sind nun mit einem Wegfall der Katalogpreisbindung zu erwarten? Zunächst einmal werden sich alle Verbraucher darauf einstellen müssen, dass es den (einen) Preis für eine Pauschalreise nicht mehr geben wird. Dieser kann höher oder niedriger als im Katalog sein, eine Garantie, dass die gleiche Reise am nächsten Tag noch für denselben Preis zu haben ist, gibt es dann nicht mehr. Jeder Verbraucher sollte dann „zuschlagen“, wenn er meint, der Preis sei angemessen und fair. Nicht anderes passiert auf jedem „türkischen Basar“ oder in vielen deutschen Einzelhandelsgeschäften und ist aus unserer Sicht daher nur zu begrüßen. Die Bedenken der Verbraucherschützer teilen wir nicht. Warum muß immer alles vergleichbar sein? Der Markt bestimmt den Preis. Außerdem gibt es solche „preisungebundenen“ Reiseangebote auch jetzt schon zuhauf auf den guten Reiseportalen, die längst auch die Angebote der „virtuellen Veranstalter“ im Sortiment haben, die auch sehr gut gebucht werden. Die Verbraucher bestimmen eben selbst, welches Angebot sie akzeptieren und für gut befinden und welches nicht.

Auf der anderen Seite wird auf die klassischen Reisebüros ein neues Dilemma zukommen. Normalerweise werden im Reisebüro vor allem die „normalen“ Katalogreisen verkauft. Sollte sich ein Kunde dort nun für eine Reise aus einem Katalog entschieden haben und der Preis sollte im Vergleich zum unverbindlichen Richtpreis gestiegen sein, wird sich der Reiseverkäufer unter Umständen erhebliche Nachfragen gefallen lassen müssen und möglicherweise unzufriedene und verärgerte Kunden bekommen, die natürlich nicht verstehen, warum der Preis der Reise teurer geworden ist. Diese Verärgerung werden die Online Reiseportale weniger spüren, denn hier werden keine Kataloge eingesetzt und man ist das Arbeiten mit tagesaktuellen Angeboten und Preisen gewohnt. Der Kunde sieht nur den Preis, den er auch bezahlen muß und sonst nichts. Wenn noch mehr Verbraucher erkennen, dass Sie auf den Online Portalen grundsätzlich den aktuellen Preis vorfinden und auch täglich selbst prüfen können, ob sich dieser in die eine oder andere Richtung verändert hat, werden sich die Online Reiseportale zukünftig sicher über noch mehr Kunden freuen können.