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Das Monopolyspiel bei der TUI geht weiter. Nach dem permanenten, nicht ganz freiwilligen, Zick-Zack-Kurs des Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel, der noch vor wenigen Monaten das Reise- und Schiffahrtsgeschäft des Konzerns zu einer Einheit verschmelzen wollte und nach heftiger Kritik an diesem Vorhaben aus den Großaktionärskreisen jetzt genau das Gegenteil befürwortet, nämlich eine Trennung des Reisebereichs von der Schiffahrtssparte, gibt es schon wieder neue Unruhe. Einer der Großaktionäre der TUI, der norwegische Großreeder John Fredriksen, hat über ein Subunternehmen ein Aktienpaket von fast 30 Millionen TUI-Aktien gekauft und will damit als größter Einzelaktionär seinen Einfluß auf die Strategie der TUI massiv erweitern.

Fredriksen läßt derzeit kein gutes Haar an Vorstand und Aufsichtsrat der TUI, wirft dem Aufsichtsrat sogar Inkompetenz in Bezug auf die Containerschifffahrt und zum Teil auch Interessenskonflikte wegen verschiedener Geschäftsbeziehungen mit der TUI vor (so sitzen z.B. Großhoteliers im Aufsichtsrat, deren Hotels auch von der TUI vermarktet werden). Dem Vorstand bescheinigt er eine äußerst schwache Erfolgsbilanz und und ist damit nach Guy Wysser-Pratte der zweite Großaktionär, der sich so offen gegen den Vorstand stellt.

Zwei Wochen vor der TUI Hauptversammlung ist damit ein erbitterter Machtkampf bei der TUI ausgebrochen. Fredriksen fordert für sich und einen engen Mitarbeiter zwei Mandate im Aufsichtsrat und will gleichzeitig den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow und das weitere Mitglied Franz Vranitzky abberufen lassen.

Warum Fredriksen kurz vor der Hauptversammlung einen solchen Wibel veranstaltet, kann nur vermutet werden. Seinem Bestreben nach einer Abspaltung des Schifffahrtsbereichs vom Reisegeschäft ist Vorstandschef Michael Frenzel mit seiner strategischen Rolle rückwärts ja schon nachgekommen. Ob es ihm nun wirklich „nur“ um einen Platz im Aufsichtsrat geht, um einen größeren Einfluß ausüben zu können oder ob noch andere Ziele dahinterstecken, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall wird die diesjährige TUI Hauptversammlung am 7. Mai sicher sehr spanennd, denn beide Lager, die dem Vorstandschef wohlgesonnenen Aufsichtsratmitglieder aus dem touristischen Bereich als auch die Frenzel-Gegner, die endlich einen höheren Aktienkurs bei der TUI sehen wollen, formieren sich bereits.